Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e.V.

Hingucker

17.10.2014

Gedanken zur Gemeinschaftsschule

Die neu geplanten Gemeinschaftsschulen werden landesweit an Schulstandorten ohne Gymnasium gut angenommen. Zwangsläufig muss man sagen, denn durch den Wegfall der Grundschulempfehlung ist der Run auf die Realschulen und auch Gymnasien ungebrochen. Vielerorts kommen in den Haupt- und Werkrealschulen keine 5. Klassen mehr zusammen und die Realschulen müssen Räume für fünf Eingangsklassen schaffen. Da bietet es sich an, Haupt-, Werkreal- und Realschulen zusammen zu fassen und alle Kinder gemeinsam zu unterrichten, mit der Möglichkeit über eine 3-jährige gymnasiale Oberstufe das Abitur zu erlangen. Die Gymnasien bleiben außen vor und bieten weiterhin den 8-jährigen Weg zum Abitur an.
Wie sieht oftmals die Praxis aus? In manchen Städten werden auch in den Gymnasien 9 Jahre zum Abitur angeboten. Das erleichtert vielen Eltern die Entscheidung fürs Gymnasium. Ist das wirklich sinnvoll, in zwei grundverschiedenen Schulkonzepten den Weg zum Abitur anzubieten?
Anders als in den in Nordrhein-Westfalen üblichen Gesamtschulen sind in den Gemeinschaftsschulen keine so genannten Fachleistungsebenen geplant, in denen Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen ihren Fähigkeiten entsprechend lernen können. Nummerische Notengebung und Sitzenbleiben sind abgeschafft. Die LehrerInnen bewerten die Entwicklung und den Lernerfolg Ihrer Schüler ausführlich schriftlich. Die Gemeinschaftsschule ist als verbindliche Ganztagsschule geplant.
Für die Pädagogen ist der Aufwand der schriftlichen Beurteilung enorm. Es ist nicht gesagt, dass diese Beurteilungen objektiver sind als Noten. Bücher, die auf die Gemeinschaftsschule zugeschnitten sind, gibt es noch nicht. Auch die Ausbildung der Lehrer ist noch nicht klar geregelt. Diese Schulart zieht außerdem enorm viel Geld und politische Aufmerksamkeit auf sich. Allein aus politischen Gründen darf das System nicht scheitern.
Der LVH-Vorstand sieht diese Entwicklung mit teils mit Erstaunen und Skepsis, teils aber auch positiv. Auch wir sind in erster Linie Eltern und haben bei der Beurteilung dieser neuen Schulform die Biografien unserer eigenen Kinder im Kopf. Kinder können durch das gemeinsame Lernen durchaus gefördert werden, das gilt für schwache, wie auch für starke Schüler. So genannte Underachiever, Kinder, die trotz Hochbegabung ihre Leistung nicht abrufen können, können in einer Gemeinschaftsschule ihre schulische Heimat finden. Diese Schulen stehen aber auch hier in der besonderen Verantwortung, Kindern, die nicht der homogenen „Masse“ entsprechen, eine individuelle Förderung zukommen zu lassen und den psychischen Druck von ihnen zu nehmen.
Die grün-rote Landesregierung hat die Gelegenheit genutzt, die Schullandschaft in Baden-Württemberg grundlegend zu ändern. Die CDU kündigt bereits an, das Rad wieder zurück zu drehen, sollte sie nach den nächsten Landtagswahlen wieder die Regierung stellen. Schade. Ideologische Grabenkämpfe unterschiedlicher politischer Ausprägung muss man nicht auf dem Rücken unserer Kinder austragen.
Uns interessieren Ihre Erfahrungen, liebe Eltern. Was halten Sie von der Gemeinschaftsschule. Wir läuft es bei Ihnen in der Gemeinde? Wir sind sehr gespannt auf Ihr Feedback. Schreiben Sie uns eine eMail.