Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e.V.

Hingucker

Hochbegabtenförderung im ländlichen Raum

19.10.2012

Podiumsdiskussion des Landesverbandes – Begabtenförderer des Jahres ausgezeichnet

Weingarten/Stuttgart/Bad Waldsee – Als Industrie- und Technologienation ist Deutschland auf innovative Ideen und die klügsten Köpfe angewiesen. Doch wie sieht es mit der Förderung von hochbegabten Schülerinnen und Schülern aus, speziell im ländlichen Raum, fernab der großen Ballungszentren?

Mit dieser Frage beschäftigte sich am Freitagabend eine Podiumsdiskussion des Landesverbandes Hochbegabung Baden-Württemberg e.V. an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten. Der Verbandsvorsitzende Markus Siehr wies in seiner Einführung darauf hin, dass einerseits mit zweistelligem Millionenaufwand des Landes für die Industrie Ingenieure aus dem Ausland angeworben würden, andererseits aber die vorhandenen Potenziale im ländlichen Raum nicht genügend gefördert würden.

Eine Bestandsaufnahme: In Schwäbisch Gmünd gibt es ein Landesgymnasium für Hochbegabte. Von den Erfahrungen dort berichtete Dr. Christoph Sauer, der dort das Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung leitet. Darüber hinaus wurden an verschiedenen Gymnasien im Land Hochbegabtenzüge eingerichtet, wie etwa am Spohn-Gymnasium in Ravensburg. Die Hochbegabtenzüge befinden sich nach Angaben von Franz-Josef Mayer, Koordinator des Projektes Comenius Regio am Regierungspräsidium Tübingen, in einem Umkreis von 50 Kilometern und seien in maximal einer Stunde Fahrzeit erreichbar. Dieses Netz müsse weiter ausgebaut werden, forderte Mayer. Man brauche mehr Mut und mehr Investitionen in die Bildung, nicht nur für die Hochbegabtenförderung. Aber man müsse auch den Lehrerinnen und Lehrern der übrigen Schulen auf dem Land etwas an die Hand geben.

Wie werden eigentlich angehende Pädagogen auf den Umgang mit Hochbegabten vorbereitet, wollte die Moderatorin Gabriele Renz vom Südkurier wissen. Professorin Dr. Ursula Pfeiffer-Blattner, Prorektorin für Lehre und Studium an der PH Weingarten, erklärte, dass der Umgang mit Heterogenität und Differenz heute zur Grundkompetenz für alle Lehrer gehöre, diese werde während des praxisorientierten Studiums entwickelt. Ziel sei ein individualisierter Unterricht, der das einzelne Kind in den Blick nehme. Mayer betonte, wie wichtig auch die Ausbildung der Lehrerpersönlichkeit sei, da diese als Mentoren eine wichtige Rolle in der Hochbegabtenförderung spielten. Er warf einen Blick aufs Nachbarland Österreich, wo Lehrer speziell für den Umgang mit Hochbegabten ausgebildet würden und wo man Hochbegabte auch in allen Schularten finde.

Für Carina Lämmle, Schülerin des Schülerforschungszentrums Bad Saulgau, ist das wichtigste die Fachkompetenz des Lehrers. „Da sollte man definitiv keine Abstriche machen“, sagte die sehr junge Dozentin der Hochschule Biberach. Sie erzählte, wie sie mit 13 Jahren von ihrem Physiklehrer „entdeckt“ und ans Schülerforschungszentrum geschickt wurde.

Deutlich wurde in der Diskussion, dass die Lehrer eine zentrale Rolle bei der Entdeckung und Förderung von Hochbegabten Kindern und Jugendlichen spielen und dass es eine Menge „Herzblut“, Engagement und Initiative braucht.

Begabtenförderer des Jahres ausgezeichnet

Ein solches Herzblut haben auch die beiden Begabtenförderer des Jahres 2012 bewiesen, die an diesem Abend vom Landesverband ausgezeichnet wurden. Dies sind Karl Waidelich, Direktor des Königin-Olga-Stifts in Stuttgart, und Bernd Friedrich, langjähriger Leiter der Kinder- und Jugendakademie Bad Waldsee. Waidelich habe eine Schulpartnerschaft mit Kalifornien aufgebaut, anfang der neunziger Jahren bereits einen bilingualen Zug eingeführt, sich in der Fortbildung von Führungskräften engagiert, eine Vielzahl an ergänzenden Angeboten an seiner Schule etabliert und sich in der Hochbegabtenförderung engagiert, berichtete Siehr.

Friedrich, der übrigens sein Lehramtsstudium an der PH Weingarten absolviert hatte, ließ sich zum Beratungslehrer weiterbilden und engagierte sich für die Integration türkisch-stämmiger Migrantenkinder. Er gründete später die Kinder- und Jugendakademie Bad Waldsee. Siehr lobte sein „unglaublich hohes Engagement“ und würdigte seine „Vorreiterrolle für die Hochbegabtenförderung im oberschwäbischen Raum.“

H. Waidelich, H. Siehr, H. Friedrich

Der Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg zeichnete die Begabtenförderer des Jahres 2012 aus. Die Urkunden überreichte der Verbandsvorsitzende Markus Siehr (Mitte) an Karl Waidelich, Direktor des Königin-Olga-Stifts in Stuttgart (li.) und Bernd Friedrich, langjähriger Leiter der Kinder- und Jugendakademie Bad Waldsee.

Text und Bild

Pressemitteilung Nr. 45 vom 23.10.2012

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