Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e.V.

Hingucker

07.06.2013

Familienwochenende in der Dobelmühle bei Aulendorf, 7.-9. Juni 2013

Was passiert, wenn man 8 Kinder, 6 Teenager und 13 Erwachsene mit Bumerang-Rohlingen, „Werwolf“-Karten, GPS-Geräten, Wolle und Wollresten, Musiknoten, Zahnbürstenköpfen und Elektromotoren für zwei Tage in ein Freizeitheim steckt und den Dingen ihren Lauf lässt?
Heraus kommen – unter anderem – bunte Häkelmützen (oder Kippas?), dicke gefilzte Gespenster (mit schimmelgrünen Augen), sirrende „Vibrobots“ (von manchem Teenager auch ein bisschen anders genannt), ernste Diskussionen über die Werwolfjagd (bei der es teilweise gar keine Werwölfe gibt) und 27 breit grinsende Gesichter, die von einem interessanten, harmonischen, kreativen, schlichtweg wunderbaren Wochenende erzählen.

Formal geht es bei einem LVH-Wochenende um das Kennenlernen und den Austausch mit Gleichgesinnten. Manche Kinder erzählen vom Schulalltag in einer Hochbegabtenklasse und wie ärgerlich es ist, dass sie dafür einen einstündigen Schulweg auf sich nehmen müssen. Andere diskutieren darüber, ob es sinnvoll ist, eine Klasse zu überspringen, und wenn ja wie viele – weil man sich danach ja unter älteren Mitschülern behaupten muss. Und die Eltern tauschen sich über lokale Beratungsstellen und Elterngruppen zum Thema Hochbegabung aus: Was es schon gibt, und was man noch einrichten könnte.
Aber das ist bei Weitem nicht alles. Mich hat einmal eine Bekannte gefragt, was man bei „so einem Hochbegabtenwochenende“ denn eigentlich macht: „Sitzt ihr da den ganzen Tag rum und macht Mathe?“ Ebenfalls weit gefehlt.
Wir bieten uns gegenseitig Kurse an, an denen die anderen nach Lust und Laune teilnehmen können. Jeder bietet etwas an, was er kann oder was ihn interessiert. Und die anderen gehen hin, schauen sich das Ganze an und lernen etwas Neues kennen. So singt am Ende die Gesangslaiin („ich singe zweimal im Jahr, und das sind die beiden LVH-Wochenenden!“) eine perfekte Begleitstimme zu „Evening Rise“ und die bekennende Physikhasserin schaut fasziniert ihrem selbst gebauten Roboter hinterher.

Ja, und außerhalb der Kurszeiten… schwimmen wir im Weiher, unterhalten uns über Gott und die Welt und spielen nach alter Tradition bis tief in die Nacht „Werwolf“. Alle sind mit Begeisterung dabei, jeder ist bei der Sache. Faszinierend ist, dass dabei nicht einmal Altersunterschiede ein Problem sind: Der 12jährige und die 18jährige gehen zusammen eine Runde paddeln, der Unterstufler und die Elftklässlerin lachen über die gleichen Witze („Achtung Decke!“). Ich erlebe es selten, dass ich mich mit anderen Leuten so sehr gemeinsam begeistern kann. Und da zeigt sich plötzlich wieder der Hintergrund der LVH-Wochenenden – in einem neuen Licht. Zeitverbringen mit Gleichgesinnten.

Alina Seidel